Oma trifft Großmutter — Hannes Andrews

Bild33Wir hatten in den Tagen unserer Reise viel erlebt: Mit HelpAge International konnten wir uns ein Projekt für alte Menschen in Morogoro (200 Km von Dar es Salaam entfernt) ansehen. Nach einem Blitzbesuch auf Sansibar machten wir uns auf den Weg nach Nshamba in der Region Kagera. Im Hochland östlich vom Victoriasee trafen wir auf den Partner von HelpAge Deutschland, der das Projekt KwaWazee dort führt. Uns wurden verschiedene Gruppen vorgestellt. So konnten wir das Selbstverteidigungstraining von jungen Mädchen und alten Frauen erleben. Wir trafen auf Enkel, die sich mittlerweile auch in Gruppen organisieren und die alten Menschen unterstützen. Wir hatten Gelegenheit über die Rechte der alten Menschen in TansanBild34ia und Deutschland zu diskutieren und Großmütter und –väter in ihren Hütten zu besuchen. Nun stand der Höhepunkt unserer Reise an: der Rentenauszahlungstag am ersten Mittwoch im Monat. Diese Renten in Höhe von 5 Euro pro Monat für die alten Menschen haben auch wir – die HelpAge Läufergruppe – mit unserer letztjährigen Aktion in Berlin ermöglicht. Schon am frühen Vormittag füllt sich das Gelände mit hunderten von Menschen aus der Umgebung, die sich ihre monatliche Existenzbasis abholen. Wie im Bienenkorb hört man gleichmäßiges Stimmengewirr. Die Organisation der Rentenauszahlung können wir uns anschauen. Ganz ruhig undBild35 geordnet erhält eine Großmutter nach der anderen ihr Geld. Die Mitarbeiter von Kwa Wazee arbeiten mit Hochdruck, konzentriert und ganz ruhig. Um elf ist die Arbeit erledigt und als Abschluss steht ein gemeinsamer Lauf mit den Omas auf dem Programm.

Vier weiße Läufer mit ebenso weißen „Omatrikots“ mischen sich unter Läufer und Läuferinnen in fröhlichen bunten Tüchern. Die Dorfstraße wird mithilfe eines dicken Astes gesperrt. Motorradfahrer und Schulkinder Bild40müssen warten (Autos können auf Bild39der Buckelpiste sowieso kaum fahren). Für mich ist im Moment nicht klar, wer von diesen vielen alten Menschen Läufer ist und wer Zuschauer. Das macht nichts, denn plötzlich bricht unbeschreiblicher Jubel aus. Mit rhythmischem Klatschen und Gesängen wird die gesamte Gruppe in Stimmung gebracht. (Mit dieser Unterstützung in Berlin wären wir Omaläufer unschlagbar).
Bild36Kurti (Kurt Madörn, der Initiator des Projektes und Berater) gibt den Startschuss. Eine Mischung aus bunt gewandeten Großmüttern, Großvätern und uns geht auf die rd. 200 m lange Strecke bergab mit unglaublichen Gejohle im Rücken.
Die Vorstellung, den gastgebenden Läufern überlegen zu sein wird schnell fallen gelassen. Uns wird nichts geschenkt.
Bild37Bald nach dem Start bricht ein heftiger Monsunregen los, so dass wir nach und nach völlig durchnässt am Start- und Zielpunkt ankommen. Die Sicht verkürzt sich auf wenige Meter. In dem Regenchaos ist kein Sieger auszumachen. Trotzdem kommen selbst die letzten Teilnehmer mit einem Lächeln auf den Lippen und stolz zurück. Wir erleben, wie die Laufveranstaltung fliessend in eine Party im heftigen Regen übergeht. Es wird gesungen, geklatscht und in den Pfützen getanzt. Eine ganz besondere und unvergessliche Atmosphäre
Bild38erfasst uns.
Nachtrag: Die alten Menschen wollen nun jeden Monat einen Lauf veranstalten. Nicht nur uns hat dieser Tag viel Spaß gemacht.