Das erste Omashirt – Julia Szameitat

Bild7Als das erste Oma-Shirt in unseren Haushalt kam, war mir nicht wirklich klar, was da auch auf mich zukommt; ich kannte die Aktion noch nicht, geschweige denn die Leute von HelpAge. Als dann nach den ersten größeren Aktionen das Unterstützer-Shirt Einzug hielt, war klar warum man sich an dieser Aktion beteiligt, auch wenn es für einen Nicht-Läufer immer unverständlich bleiben wird, wie man freiwillig über 42 km durch Berlin laufen will (wo es doch auch so viel bequemere Möglichkeiten der Stadtbesichtigung gibt). Aber zu dem Zeitpunkt lag das Marathon-Wochenende in Berlin ja auch noch in so weiter Ferne.

Auch wenn ich versucht habe bei den vielen Aktionen dabei zu sein, war es oftmals nicht so, dass man das Gefühl hatte einen nennenswerten Beitrag zum Gesamtgelingen leisten zu können. Das änderte sich dann aber doch, als am 28.09. der Bus nach Berlin gestartet ist. Die kulinarische Unterstützung in Form von Kuchen war zwar nur ein kleiner Beitrag, aber mir hat es Spaß gemacht und wenn es dann noch allen geschmeckt hat ist das doch klasse. Insgesamt war die Stimmung unter den Mitfahrern echt super; manch ein Moment hat doch stark an die früheren Fahrten in die Schullandheime der Region erinnert. Zudem war es toll mit den Läufern auch mal abseits von Rennstrecken ein paar Worte zu wechseln, und es war echt interessant zu beobachten, wie die von zunehmend nervöser werdender Spannung getragenen Starter doch die eine oder andere Marotte an den Tag legten, die mitunter so nicht zu erwarten war. Während sich die Läufer im Anschluss an die Pastaparty in Taktikplanung und individuelle Vorbereitungen begeben haben, war es denn an der Zeit für die mitgereisten Unterstützer, sich ihren „Schlachtplan“ zusammenzulegen. Ordentlich eingedeckt mit lärmenden Glocken und anderen Hilfsmitteln stand sehr bald fest, dass neben der individuellen Unterstützung der eigenen Partner auch alle anderen Omas in den Genuss von mitreisenden Fangruppen kommen sollten. Schnell waren entsprechende Standorte festgelegt, und ich denke am Sonntag haben uns viele der Läufer trotz Enge und Anstrengung auch wahrgenommen.

Das Geschehen an und auf der Strecke, vor allem am Start, aber auch im weiteren Verlauf des Rennens ist ziemlich beeindruckend und wird mir lange in Erinnerung bleiben. Es ist schon ein nicht wirklich zu beschreibendes Erlebnis, das komplette Starterfeld auf sich zukommen zu sehen. In Erinnerung bleiben werden mir neben den vielen lachenden Gesichtern der Läufer, dem Abklatschen und aller anderen Reaktionen auf unsere lautstarken Rufe aber auch die vielen kleinen Gespräche mit anderen Zuschauern am Streckenrand, mit Fahrgästen in Bus und Bahn oder auch anderen Teilnehmern, die uns aufgrund der T-Shirts immer wieder angesprochen haben.

Und spätestens da war dann klar, worin eine entscheidende Aufgabe der Mitreisenden bestanden hat: wenn die Läufer auf der Strecke ihre Puste zum Vorankommen brauchen ist es eben an den Unterstützern, den Omas eine Stimme zu geben. Insofern steht für mich eins fest: wenn die Omas – in hoffentlich naher Zukunft – ihre Schuhe wieder schnüren, werde ich mich wieder an die Strecke stellen!

In diesem Sinne: Unterstützer-Shirt und Glocke nicht zu weit weggepackt, ein beständigen Vorrat von Halsbonbons im Schrank und mit freudiger Erwartung auf weitere Veranstaltungen sage ich Danke dafür, ein Teil der Aktion „Ich laufe für JEDE OMA ZÄHLT den Berlin Marathon 2012“ gewesen zu sein.

 

05:09:53 (Katja Busch)

Bild1Es ist vollbracht, ich habe es in schönster Berliner Spätsommerluft tatsächlich geschafft, die 42,195 km in der Hauptstadt laufend (sogar die ganze Zeit!) zu überstehen! Das Ganze war   wahrhaftig ein Abenteuer, was sich zwischenzeitlich (km 25- 35) auch einfach nur sehr beschei  den anfühlte, aber ansonsten getragen wurde von einer tollen Strecke, klasse Publikum sowie super Live-Mucke. Und dem Gedanken, dass man in Tansania auch nicht einfach den Wasserkanister stehenlassen kann, weil man keinen Bock mehr hat. Schließlich war es aber auch ein Gänsehauterlebnis, als kleines Langlaufgreenhorn inmitten eines 40.000 Mann+Frau starken Teilnehmerfeld aus 120 Nationen die Startlinie zu queren, und das als Mitglied einer hochsympathischen Osnabrücker “Oma”-Gruppe, die fast 60.000,- € zusammen- gelaufen hat und etwas zeigt, was auch in den HelpAge-Projekten eine herausragende Rolle spielt: das man gemeinsam, in einer Gruppe, einfach stärker ist.
Und so war es mir schließlich möglich, dass der eiserne Wille über das kreischende Fahrgestell siegte und ich nach gut 5 Stunden die etwas andere Sightseeing-Tour, durch das Brandenburger Tor wirklich rund machen konnten.  Die letzten paar Hundert Meter sogar fast als Gazelle, noch richtig dynamisch. Die richtigen Gazellen waren dort schon drei Stunden vorher durchgesprintet. Die ersten 10 kamen alle aus Kenia, unser Jede Oma zählt-Schirmherr Jan Fitschen als bester Europäer ein paar Plätze dahinter. So waren letztendlich wohl sehr viele zufrieden über die großartigen Bedingungen und persönlichen wie gemeinschaftlichen Leistungen, die großen Athleten aus dem Startfeld A genauso die kleinen Helden, darunter zwei Oma-Schnecken, aus dem Startfeld H. Und ich? Werde bis auf Weiteres erst einmal wieder mehr schwimmen :-) . Fisch bleibt dann wohl doch Fisch. Oder doch nicht?